In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die große spanische Gitarre nach Antonio de Torres (1817-1892) in Deutschland immer populärer und verdrängte zunehmend die Gitarren nach Wiener Bauart. Gitarrenbauer wie Richard Jacob „Weißgerber“ (1877-1960) in Markneukirchen und Hermann Hauser (1882-1952) in München gehörten zu den Ersten, die sich schon ab den frühen 1920er Jahren, an der spanischen Bauweise und Form der Gitarren orientierten. Damit wurden gerade diese beiden Gitarrenbauer zu den bedeutendsten Vorreitern der spanischen Gitarre in Deutschland. Die „Torres“-Gitarre wurde zu dieser Zeit das Synonym für die spanische Gitarre und das Ideal eines Instrumentes für das „künstlerische Gitarrespiel“.
Erwin Schwarz-Reifflingen, Gitarrist, Geschäftsmann und Kopf der Berliner Gitarrenszene importierte Ende der 20er Gitarren aus Spanien und vertrieb diese auch mit Hilfe seiner Zeitschrift „Die Gitarre“, deren Herausgeber er war. Er beauftragte unter anderem vogtländische Handwerker, wie zum Beispiel Richard Jacob „Weißgerber“ (Markneukirchen) und Oskar Berger (Erlbach) Kopien nach Instrumenten Francisco Simplicios (1874-1932) anzufertigen und gab damit Impulse für die weitere Entwicklung der spanischen Gitarre in Deutschland.
Seine Werkstätte „Die Gitarre “ arbeitete koordiniert mit spanischen Werkstätten zusammen und wurde von dort teilweise mit vorproduzierten Teilen beliefert. So könnte es auch bei der abgebildeten Gitarre sein („Torres“-Modell, Nr.17 Werkstätten „Die Gitarre“, Berlin, 1930), dass einzelne Bestandteile – eventuell sogar der Korpus - aus Spanien kamen und die Gitarre erst in Berlin fertig gestellt wurde.
Christof Hanusch, Berlin (www.christofhanusch.com)




Kommentar hinzufügen