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Klavierbau in der Region Braunschweig

Von: Dr. Erika Eschebach


Seit nahezu 300 Jahren werden in der Region Braunschweig Tasteninstrumente gebaut, in deren Verlauf über fünfzig Klavierbauer und ihre Firmen namentlich bekannt geworden sind. Zu den bekanntesten zählen Barthold Fritze, Heinrich Steinweg, die Firmen Zeitter & Winckelmann, Grotrian-Steinweg und Schimmel.

Barthold Fritze (1697 – 1753) ist der erste namentlich bekannte Klavierbauer in Braunschweig. Er fertigte Clavichorde, Reisespinette, Orgeln, Kiel- und Hammerklaviere. Allerdings haben sich nur wenige Instrumente von ihm erhalten.

Das Unternehmen von Zeitter & Winkelmann – gegründet von Christian Theodor Winkelmamnn und Friedrich Zeitter – hatte seinen Ursprung im Jahre 1837. Es fertigte vor allem Tafelklaviere, später Flügel und Pianinos. Bis 1963 hatte die Firma ihren Sitz in Braunschweig; dann wurde sie nach Süddeutschland verkauft.

Wesentlich bekannter und bis heute in Braunschweig bestehend ist die Klavierbaufirma Grotrian-Steinweg. Die Familien Grotrian und Steinweg hatten im 19. Jh. zunächst unterschiedliche Wege beschritten. Georg Friedrich Carl Grotrian (1803 – 1860) war nach seiner Lehre als Musik- und Instrumentenhändler in Braunschweig 1830 nach Moskau ausgewandert, wo er eine Musikalienhandlung führte und Tafelklaviere baute. 1856 kehrte er nach Braunschweig zurück und wurde 1858 Teilhaber von Theodor Steinweg an dessen Wolfenbütteler Klavierbauwerkstatt, die dann von beiden nach Braunschweig verlegt und erweitert wurde.

Theodor Steinweg (1825 – 1889) seinerseits hatte 1850 die väterliche Klavierbauwerkstatt übernommen, weil sein Vater Heinrich Engelhardt Steinweg (1797 – 1871) nach Amerika ausgewandert war und dort die Firma Steinway & Sons begründet hatte. Als auch Theodor Steinweg 1865 nach New York übersiedelte, wurde der Betrieb an Franz Wilhelm Grotrian (1843 – 1917) und weitere Teilhaber verkauft; 1886 übernahm Grotrian die alleinige Leitung.

Die Umgestaltung des handwerklichen Ablaufs zu einem modernen Fabrikbetrieb sowie die Entwicklung von technischen Neuerungen führten zu einer wachsenden Produktion und zur Einrichtung mehrerer Zweigstellen. Die Erfolge Grotrians und seiner Söhne wurden 1919 mit der Legalisierung des Doppelnamens Grotrian-Steinweg gewürdigt. Bis heute produziert die Firma in Braunschweig; mit ihrem Namen verbunden ist auch der 1954 eingerichtete Klavierwettbewerb, eine der frühesten Initiativen zur Förderung des musikalischen Nachwuchses nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die andere bedeutende Klavierbaufirma, die sich heute noch in Braunschweig befindet, ist Deutschlands größte: Schimmel. Dieses Unternehmen ging aus der in Mitteldeutschland beheimateten Klavierbautradition hervor. 1885 hatte Wilhelm Schimmel (1854 – 1946) in Leipzig seine erste Klavierbau-Werkstatt eröffnet, und bereits 1894 verließ das 1000. Instrument die Werkstätten. Exporte ins Ausland und Ehrungen wie Goldmedaillen auf Weltausstellungen unterstrichen Schimmels Erfolg. 1927 übertrug Schimmel die Leitung seinem Sohn Wilhelm Arno (1898 – 1961), der das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen 1929 nach Braunschweig verlegte. 1951 produzierte Schimmel den ersten durchsichtigen Acrylglasflügel der Welt, den Nicolaus W. Schimmel in den 1980er-Jahren zu einem konzertreifen Instrument weiter entwickelte.

Abbildung: Hammerflügel, Grotrian, Helfferich, Schulz, Th. Steinweg Nachf. 1895

Dr. Erika Eschebach
Städtisches Museum Braunschweig



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