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Thomastik-Geigen

Von: Arthur Bay


Am Anfang des 20. Jahrhunderts, zu einer Zeit, in der viele Versuche zur Verbesserung des Geigenklanges unternommen wurden, sucht Franz Thomastik (1883-1951) in Wien eigene Wege und Lösungen. Anhand von Überlegungen zur Akustik entwickelt er ein neues Stegsystem: Dieser Steg steht mit einem Fuß auf der Decke und mit dem anderen auf dem Boden, dies ist durch ein dafür vorgesehenes Loch in der Decke möglich. Durch diese Technik werden sowohl die Decke, als auch der Boden des Instruments direkt von dem Steg in Schwingung versetzt.

In einem Aufsatz äußert Thomastik ganz deutlich, daß es ihm nicht um eine Neubelebung der Chrotta geht, noch um eine Wiederaufnahme früherer Versuche, welche ihm bekannt waren.

Leider wurde seine Werkstatt, samt Unterlagen durch einen Bombenangriff im 2. Weltkrieg vernichtet. An seinen Instrumenten aber sieht man, daß seine Überlegungen bis ins kleinste Detail gehen. Seine Neuerungen betreffen nicht nur den Steg, sondern auch Saiten und Saitenhalter, Form des Kopfes und die Holzauswahl. Durch seine Mitarbeiter Ludwig Kremmling und Karl Weidler wurden einige seiner Vorstellungen der Nachwelt übermittelt.

Auf der Suche nach einem neuen Instrument für sich selber, machte Arthur Bay bereits mit vierzehn Jahren die Bekanntschaft mit einem Instrument nach der Thomastik-Bauweise. Es war ein Cello aus der Werkstatt von Karl Weidler. Während seiner Lehrzeit am Bodensee hörte er von einem Quartett aus derselben Werkstatt, welches nach der Vorstellung Thomastiks aus vier verschiedenen Holzarten (Ahorn, Kirsche, Birke, Esche, ) gefertigt war. Während seiner Gesellenzeit und der Vorbereitung auf die Meisterprüfung in Stuttgart wurde er gefragt, ob er solche Instrumente bauen könne.

In der nun folgenden Auseinandersetzung mit den Ideen für eine veränderte Bauweise der Streichinstrumente stieß er auf einen Zeitungsartikel über Franz Thomastik, aus dem hervorgeht, daß für Thomastik der Gedanke der Abstimmung eines Instrumentes sehr wichtig war: „Ich habe den größten Respekt vor dem unbekannten Manne, dem zum erstenmal die Idee einer harmonischen Abstimmung der einzelnen Teile des Instruments klar wurde...“

Für Arthur Bay wurde diese Idee zu einem wesentliche Motiv seines Schaffens. Nachdem Arthur Bay 5 Jahre lang Instrumente in den Holzarten des erwähnten Quartetts gebaut hatte, stellte er sich zur Aufgabe, Thomastiks Idee, ein Streichseptett aus sieben verschiedenen Hölzern zu bauen. Es ging dabei nicht nur um die Ergänzung der drei fehlenden Instrumente des Quartetts, sondern um einen kompletten Neubau aller Instrumente, da die Holzzuordnung in beiden Ensembles eine ganz andere ist. Durch den Auftrag für eine Geige aus Birkenholz 1985 war der Anfang für dieses Septett gelegt.

In loser Folge entstanden die weiteren Instrumente, wobei jedes Instrument seine eigene Entstehungsgeschichte hatte. Zum Beispiel der Kontrabaß aus Hainbuche für einen Komponisten, der für seine Musik diesen neuen Klang wünschte. Das letzte Instrument, ein Tenorcello, entstand während der Vorbereitung zu der 2. Heiligenberger Musikwoche 1995. Zu Pfingsten des selben Jahres erklang das Septett, und die Proben mit den neuen Kompositionen, die eigens für dieses Septett geschrieben wurden, konnten beginnen. Zum erstenmal wurde diese Idee Thomastiks umgesetzt.

Nachdem die ersten Klangerfahrungen mit dem Septett aus sieben verschiedenen Hölzern gemacht worden sind, stellt sich die Frage nach einem weiteren Vertiefen in die Klangqualitäten der einzelnen Hölzer. Sollten aus den unterschiedlichen holzbedingten Klangfarben nicht auch unterschiedliche Formen der Instrumente hervorgehen?

Foto: Reka-Sammlung Frankfurt/Oder

Arthur Bay (Geigenbaumeister)


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